Unsere Mobilität von Morgen – Wohin geht die Reise?

Dr. Reiner Korthauer wird am 5. November das Bühnenprogramm auf der „World of eMobility“ in Worms moderieren.

Er war 26 Jahre Geschäftsführer im Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI) im Bereich Batterien und Stromversorgungen. Dr. Korthauer ist Autor diverser Bücher, unter anderem dem „Handbuch Elektromobilität 2015: Forschung, Entwicklung, Umsetzung“. Wir haben im Vorfeld der ersten E-Mobilitätsmesse in Rheinland-Pfalz ein Interview mit ihm geführt.

Herr Dr. Korthauer, wie wird die „Mobilität von Morgen“ aussehen?

Dr. Korthauer: Neben Mobilitätswende wird Intermodalität das Schlagwort der Zukunft. Das bedeutet, dass alle Verkehrsmittel wie E-Bikes, PKW, ÖPNV etc. verzahnt werden. Neue Dienste in Form von Apps werden uns führen, wenn wir unterwegs sind – sei es auf dem Weg zur Arbeit, auf Dienstreisen, in der Freizeit, im Urlaub. Sie helfen uns bei der Suche nach Parkplätzen, sorgen für Reservierungen oder informieren Geschäftspartner bei Verspätungen.

Die Mobilität von Morgen wird immer stärker auf nicht-fossile Antriebsstoffe setzen. Übergangsweise sehe ich für die nächsten Jahrzehnte eine starke Hybridisierung. Letztendlich werden Antriebsstoffe genutzt, die aus regenerativen Energien erzeugt werden können: Wasserstoff oder kohlenwasserstoffreiche Verbindungen für die Brennstoffzelle sowie synthetische Kraftstoffe (Synfuel) für die klassischen Verbrennungsmotoren. Die Batterie wird nur dann Erfolg haben, wenn Leistungs- und Energiedichten deutlich zunehmen und somit neue Batterietechnologien kostengünstig entwickelt werden können. Das Antriebsaggregat wird – aber erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten – der Elektromotor sein.

Was kommt auf die Unternehmen zu, die uns bisher den „Diesel“ als das Non-plus-ultra verkauft haben? Mit was werden sie künftig ihr Geld verdienen?

Dr. Korthauer: Die Mobilität von Morgen wird als Anbieter neue Player herausbilden, die durch die aktuelle, sich weltweit auswirkende Krise in der deutschen Automobilindustrie noch weiteren Auftrieb bekommen werden. Aus dem Slogan „aus Freude am Fahren“ wird „aus Freude am Gefahren werden“. Die neuen Player sehen das Auto als ein Werkzeug, um Mobilität zu ermöglichen. Die Mobilität von Morgen wird zumindest in Europa eine weit stärkere Vernetzung der Fahrzeuge untereinander sein. Hintergrunddienste werden helfen, den Verkehr sicher und flüssig zu halten. Und sie werden Geld kosten. Die Anzahl der Hilfseinrichtungen im Fahrzeug wird stark ansteigen, der Übergang ins teilautonome Fahren ist ein fließender.

Hat der Individualverkehr langfristig eine Zukunft?

Dr. Korthauer: Aktuelle Mobilitätskonzepte gehen von Individualverkehr aus. Ein erster Schritt der Mobilitätswende wird der Versuch sein, diesen Verkehr zu lenken, beispielsweise durch Vernetzung und autonomes Fahren. Perspektivisch müssen wir in Anbetracht der steigenden Weltbevölkerung den Individualverkehr reduzieren und viel mehr auf Schienen- oder Bustransportsysteme setzen.

Mobilität ist aber immer mehr als nur der Transport von A nach B gewesen, ganz unabhängig vom Verkehrsträger. Das gilt auch weiterhin. Die emotionale, nicht die rationale Sichtweise führt zu Entscheidungen, auch wenn diese oftmals aus rationaler Sicht nicht nachvollziehbar sind. Das wird auch in Zukunft so bleiben.