Die EWR-Vorstände zur Messe World of eMobility

Interview mit Günter Reichart und Stephan Wilhelm, Vorstände EWR AG zu ihren Beweggründen, eine E-Mobilitätsmesse in Worms zu veranstalten.

Mit der Messe „World of eMobility“ betreten Sie ja absolutes Neuland…

Reichart: Als Energieunternehmen müssen wir die Zeichen der Zeit erkennen. Es ist nur eine logische Schlussfolgerung, dass auf die Energiewende die Mobilitätswende folgt. Dazu gehört auch der Ausbau der Datennetze. Den meisten ist der Zusammenhang noch unklar. Aber wir müssen regenerative Energie, emissionsfreie Fahrzeuge und neue Datenleitungen zusammendenken. Denn die Mobilitätswende wird autonom fahrende Fahrzeuge enthalten, Sammeltaxen und Carsharingmodelle, die wir per App bestellen. Die Abrechnungssysteme laufen dabei ebenfalls vollautomatisch über das Internet. Und deshalb sind wir gut beraten, immer wieder Neuland zu betreten.

Wilhelm: Wir möchten unseren EWR-Kunden und den Menschen in der Region auch ganz einfach einmal zeigen, wie E-Mobilität aussieht und was es schon für Fahrzeuge gibt. Manche Dinge muss man praktisch machen. Über etwas nur zu reden ist das eine, das auszuprobieren das andere. Und für die meisten ist die E-Mobilität selbst eben auch noch absolutes Neuland – und das möchten wir verändern.

Warum genau veranstaltet denn EWR diese Messe?

Wilhelm: Wir als EWR sehen uns in der Pflicht neue Wege zu gehen. Wir denken in die Zukunft und wir arbeiten an der Zukunft. Deshalb sind wir diesen Schritt gegangen. Zum ersten Mal findet so etwas in Rheinland-Pfalz statt und ich freue mich, dass Ministerpräsidentin Malu Dreyer gerne die Schirmherrschaft übernommen hat. Eine solche Messe sehen wir als Investition in eine neue Ära. Als Energieunternehmen versorgen wir die Menschen hier mit Strom, Wasser, Gas und Internet. Das sind die Grundlagen unseres Lebens. Mobilität gehört für uns dazu auch. Deshalb möchten wir der Region nun einmal die E-Mobilität zum Anfassen bieten und zeigen: zukünftig kümmern wir uns auch um eure Fortbewegung. Die Menschen vertrauen uns. Und wir möchten uns für dieses Vertrauen bedanken. Auch in Form von so einer Messe mit E-Mobilität zum Anfassen.

Reichart: Wir sehen es als unsere Verantwortung, E-Mobilität erlebbar zu machen, deshalb auch unser Slogan EWR macht die Zukunft erFAHRbar. Die Mobilitätswende soll nicht abstrakt sein, sondern wir müssen sie leben. Und irgendjemand muss ja nun einmal damit beginnen. Warum nicht wir?

Hauptproblem bei der E-Mobilität ist ja die Ladeinfrastruktur…

Reichart:  Das kommt darauf an, wie Sie Ihr Fahrzeug nutzen. 60 Prozent aller Arbeitnehmer sind Pendler. Durchschnittlich beträgt eine Fahrstrecke 17 Kilometer. Wenn also der Arbeitgeber Ladesäulen zur Verfügung stellt, haben Sie immer einen geladenen Wagen und auch mögliche Reserven für das gesamte Wochenende. Das kann man auch als Mieter ohne Parkplatz umsetzen. Wir werden umdenken müssen und vielleicht einfach mal Gewohnheiten auf den Kopf stellen. Etwas komplett neu zu denken ist ein innovativer Prozess, der uns zu neuen Erkenntnissen führt. Bspw. haben wir in unserem Einzugsgebiet über 7.000 Haushalte mit Solarzellen auf dem Dach. Es war vor Jahrzehnten noch undenkbar, dass so viele Menschen dezentral Strom produzieren.

Wilhelm: Es gehört seit Jahren zu unserer Strategie, das Ladenetz, also die Infrastruktur für E-Fahrzeuge in Rheinhessen stetig zu erweitern. Die Anzahl der Anschlüsse in Unternehmen und Privathäusern steigt, parallel auch die Menge der öffentlichen Ladesäulen. Dabei arbeiten wir gut mit den Gemeinden und unseren kommunalen Partnern zusammen. Bisher stehen in Deutschland über 7.500 öffentliche Ladestationen und es gibt mehr als 22.000 Anschlüsse. Zum Vergleich: Tankstellen gibt es rund 14.500. Und ich bin zuversichtlich, dass sich die Technik der Fahrzeuge in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird – sowohl bei der Speicherung als auch beim Laden selbst. Es wird bspw. mit Induktion experimentiert, das funktioniert im Prinzip wie das Laden der elektrischen Zahnbürste. Aber vielleicht ist letztlich doch die Brennstoffzelle die Lösung. Das wissen wir alles noch nicht. Wir müssen es ausprobieren. Die schlechteste Option für uns ist warten und nichts tun.

Glauben Sie, Worms ist der richtige Ort für so eine Messe?

Wilhelm: (lacht) Gegenfrage: Warum soll Worms der falsche Ort sein? Wir wollen diese Messe machen. Wir finden sie wichtig. Und wir wollen sie für die Menschen hier machen. Wir sind hier zu Hause, also machen wir sie in Worms. Vielleicht wird es die Messe in Zukunft auch andernorts geben. Wir haben schon Anfragen aus anderen Städten dazu. Aber als EWR machen wir die natürlich zuerst einmal hier in Worms, als Ausgangspunkt für die gesamte Region. Denn das spannende am EWR-Gebiet ist seine Vielfalt: sowohl ländlich als auch städtisch geprägt. D.h. wir können hier verschiedene Erfahrungen sammeln, deshalb gibt es hier ideale Voraussetzungen um die E-Mobilität zu entwickeln.

Reichart: Da stimme ich mit meinem Kollegen völlig überein. Worms ist ideal für uns. Außerdem liegt Worms sehr zentral zwischen den beiden Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar und liefert somit für viele Interessierte eine gute Erreichbarkeit. Darüber hinaus sind wir hier schon seit sechs Jahren mit „Vorreiter“ in der Verbreitung von Elektromobilität und so ist es nur naheliegend, dass wir dieser Rolle mit einer solchen Messe an unserem eigenen Standort weiterhin gerecht werden.

Man hat immer den Eindruck, dass E-Mobilität ein Stadtthema ist, weil es nur dort überall Ladesäulen gibt und keiner weit fahren muss. Das stimmt nicht, eine Ladeinfrastruktur gibt es auch hier. Tendenz steigend. Fakt ist auch, dass wir hier ein hohes Bewusstsein über die Mobilitätswende haben. Wir haben unseren EWR-Mitarbeitern kürzlich einen Audi A3 etron zu einmaligen Leasing-Konditionen angeboten. Die Resonanz war überwältigend. Von 500 Mitarbeitern nahmen 72 das Angebot an, das sind fast 15 Prozent. Ich persönlich glaube ja, dass sich in den ländlich geprägten Gebieten beweist, dass die E-Mobilität der richtige Weg ist. Wenn sie auf dem Land funktioniert, dann funktioniert sie überall.

Was aber hat EWR mit Fahrzeugen zu tun?

Reichart: Wie schon gesagt, müssen wir vernetzt denken, also Elemente verbinden, wie eben Energie und Mobilität. E-Mobilität ist nur mit regenerativer Energie sinnvoll. Die muss also nachhaltig erzeugt und zu den Fahrzeugen gebracht werden. Entsprechend wichtig ist somit der Ausbau des Strom- und Kommunikationsnetzes nicht nur für die Energiewende, sondern auch für die Mobilitätswende. In Abstimmung mit unseren Kommunen investieren wir derzeit deshalb intensiv in den Ausbau unseres Glasfasernetzes. Es gibt ein großes Bedürfnis der Bevölkerung nach schnellen Datenleitungen. Sie sind Voraussetzung für Filmabende, Online-Games, mittelständische Unternehmen, Streaming, Internet etc. Und auch für die Mobilitätswende. Und wenn wir als EWR sicher keine Autobauer werden, so sind wir doch mit unseren Dienstleistungen sehr nah an der Zukunftsfrage dran, wie es mit unserer Mobilität weitergeht.

Wilhelm: Autos werden wir sicher nicht bauen, aber neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur E-Fahrzeuge aller Art verleihen oder andere Dienstleistungen anbieten. Auf dem Weg in die Mobilität der Zukunft wird sich noch vieles tun Zur Messe eröffnen wir ein Mobilitätscenter in Worms. Da kann man dann E-Fahrzeuge mieten, kaufen, ausprobieren und sich vor allem beraten lassen. Nachhaltigkeit heißt ja heute auch, dass wir intelligente Fahrzeuge mit intelligenten Häusern vernetzen. Smart-Home-Lösungen bieten wir unseren Kunden bereits heute an. Das Smartphone wird dabei zukünftig die Schaltzentrale. Dabei unterstützen und beraten wir unsere Kunden auf diesem Weg gerne. Das Schmiermittel von all diesen neu zu verzahnenden Elementen heißt Strom. Und den produzieren und verteilen wir. Insofern sind wir hier schon die richtigen Ansprechpartner.

Vielen Dank für das Gespräch!