Schirmherrin Malu Dreyer im Interview

Sie unterstützen als Ministerpräsidentin mit Ihrer Schirmherrschaft die erste E-Mobilitätsmesse in Rheinland-Pfalz, die „World of eMobility“ – was hat Sie dazu bewogen?
Dreyer: „Das Thema Mobilität der Zukunft hat nicht zuletzt durch die jüngsten Debatten um Diesel-Abgase eine neue Dynamik bekommen. Und das ist gut so. Umweltschutz und Gesundheit rücken mehr und mehr in den Blickpunkt. Ich denke, wir können mit Fug und Recht sagen, dass die erforderliche Verkehrswende jetzt „Fahrt aufgenommen“ hat. Wo ich diesen Transformationsprozess begleiten und unterstützen kann, tue ich das.

Wir brauchen deutliche Fortschritte bei alternativen Antriebsformen, die sauber, umwelt- und klimafreundlich sind. Den Energieunternehmen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Die EWR hat sich Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Region zum Ziel gesetzt und stellt sich der Verantwortung, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Gerne habe ich daher die Schirmherrschaft für die E-Mobilitätsmesse „World of eMobility“ übernommen, weil sie mit einem attraktiven Programm aus Informationen, Expertendiskussionen und Unterhaltung einer breiten Öffentlichkeit einen Einblick darüber gibt, welche alternativen Möglichkeiten der Mobilität es gibt.

Rheinland-Pfalz hat eine starke industrielle Tradition in der Elektrotechnik und beim Fahrzeugbau. Die Elektromobilität kann Rheinland-Pfalz auch als Technologie- und Industriestandort festigen, sofern es den Unternehmen gelingt, im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Für mich als Ministerpräsidentin ist wichtig, dass die Automobilbranche das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnt. Die Marke ‚made in Germany‘ darf nicht weiter beschädigt werden. Entscheidend ist, den Strukturwandel in der Automobilbranche so zu gestalten, dass die Arbeitsplätze auch in Zukunft gesichert sind.”

Elektromobilität wird nicht erst seit dem Abgasskandal als wesentliche Fortbewegungsform der Zukunft betrachtet – welche Rolle wird aus Ihrer Sicht E-Mobilität in Zukunft spielen?
Dreyer: „Der Verkehr ist ein ganz wesentlicher Mitverursacher von klimaschädlichen Gasen. Es ist deshalb wichtig, dass wir andere Formen der Mobilität entwickeln und vorantreiben. Die Elektromobilität ist ganz sicher ein wichtiger und vielversprechender Baustein eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzeptes, weil sie bei Nutzung von erneuerbarem Strom Umwelt und Ressourcen schont. Elektrofahrzeuge sind abgasfrei und geräuscharm. Damit die Technologie in Deutschland Erfolg hat, müssen wir uns aber auch um die notwendige Infrastruktur kümmern, insbesondere um ein flächendeckendes Netz gut erreichbarer Ladestationen. Hier sind Energieversorgungsunternehmen wie die EWR wichtige Partner. Auch die bisher als noch zu gering empfundenen Reichweiten der Elektrofahrzeuge sind ein Hindernis auf dem Weg in Richtung Elektromobilität. Wir erwarten von der Industrie jetzt Fortschritte bei der Ladetechnik, bei der Reichweite und beim Komfort der Fahrzeuge. Für eine dauerhaft saubere Stromversorgung der Fahrzeuge muss ebenfalls der Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter vorangebracht werden. In Rheinland-Pfalz sind wir hier auf einem guten Weg. Der Stromverbrauch wird bereits zu rund 31 Prozent aus den Erneuerbaren gedeckt.”

Im Koalitionsvertrag beschreibt die Landesregierung Elektromobilität als wichtigen Bestandteil der Energiewende. Welche Pläne verfolgen Sie zur Förderung der E-Mobilität in Rheinland-Pfalz?
Dreyer: „Die E-Mobilität ist ein Bestandteil eines zukunftsorientierten Konzeptes, das die Mobilität sichert und gleichzeitig die Gesundheit der Menschen schützt. Um die E-Mobilität weiter voranzubringen, muss die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Schon heute gibt es im Land mehr als 300 öffentliche E-Ladepunkte. Wir stehen damit – auch im Ländervergleich – gut da und wollen uns in Zukunft weiter steigern. Zurzeit erstellt die TU Kaiserslautern in dem Projekt „Tankstelle 2.0“ eine Strategie zur nachhaltigen Versorgung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, die für die einzelnen Landkreise und Städte präzise Aussagen treffen wird, wo welche Infrastruktur nötig ist.

Rheinland-Pfalz beteiligt sich zudem an dem Pilot-Projekt Brennstoffzellenbusse im Rhein-Main-Gebiet. Bis Ende 2018 werden elf Brennstoffzellenbusse rollen (acht in Mainz und Wiesbaden). Pro Jahr können auf diesem Weg 600 Tonnen CO2 eingespart werden. Auch wollen wir die Bus-Neubeschaffung auf kommunaler Ebene unterstützen unter der Voraussetzung, dass an Klimaschutzbelange gekoppelte Antriebstechnik zum Einsatz kommt.

Wir rüsten die Dienstwagen der Landesregierung schrittweise auf saubere und nachhaltige Mobilität um. Aktuell sind bereits 23 Prozent der Wagen mit einem elektrischen oder plug-in-Hybridantrieb ausgestattet. Das wollen wir weiter steigern. Außerdem werden wir mit den Akteuren des öffentlichen Nahverkehrs Mobilitätskonzepte zur intelligenten Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger mit digitaler Technologie auf den Weg bringen.

Wir begleiten Forschungsprojekte und investieren in die Beratung von Kommunen. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz leistet hier großartige Arbeit und hat mit Landeshilfe eine Lotsenstelle speziell für alternative Antriebe eingerichtet.”

 

Welche Auswirkungen wird dies konkret auf unsere Mobilität haben? Müssen wir zukünftig Mobilität neu denken?
Dreyer: „Aus all dem Gesagten ergibt sich ein klares ‚Ja‘ auf diese Frage. Es ist eine Tatsache, dass zu hohe Schadstoffwerte vor allem in den Städten die Luft belasten mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen für die Menschen, die hier leben. Gleichzeitig ist Mobilität ein zentrales Bedürfnis der Menschen nach Flexibilität und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Mobilität der Zukunft wird geprägt sein durch Nachhaltigkeit und Emissionsfreiheit.”

Bereits jetzt ist die Energiebranche aktiv beim Ausbau der Ladeinfrastruktur – wie betrachten Sie hier die Rolle der Energieunternehmen?
Dreyer: „Wie gesagt, kommt den Energieunternehmen bei der Entwicklung der E-Mobilität eine führende Rolle zu. Besonders kommunale Energieunternehmen sehen ihre Nähe zu den Verkehrsnetzen und wollen die Stromversorgung für die e-Mobilität sicherstellen. Für eine langfristig stabile und für die Unternehmen profitable Ladestelleninfrastruktur sind jetzt tragbare Geschäftsmodelle zu entwickeln. Denn in erster Linie sollte der Ausbau marktgetrieben erfolgen. Der Staat sollte hier nur subsidiär aktiv werden, um Piloten zu fördern, zu forschen oder die Erprobung neuer Technologien zu unterstützen. Diesen Anschub leisten wir in Rheinland-Pfalz.”

Welche Aufgabe haben regionale Energiedienstleister wie EWR in Bezug auf die E-Mobilität Ihrer Meinung nach, oder welche Erwartungen haben Sie an die Energiedienstleister?
Dreyer: „Die Energiedienstleister selbst sollen die Verkehrswende als Teil der Energiewende denken und die Sektoren in einer sinnvollen Kombination umsetzen. Beim Markthochlauf der Elektromobilität muss auch die Infrastruktur zur Verteilung des Stroms zielgerichtet und effizient ausgebaut werden. Dafür wird der entsprechende regulatorische Rahmen hinsichtlich technischer und wirtschaftlicher Bedingungen benötigt, den die neue Bundesregierung rasch angehen muss.”